Jede Reise hat einen ersten Schritt. Unsere begann in Comalcalco, Mexiko – mit dem Duft von Kakao in der Luft, dem Zirpen der Zikaden in den Bäumen und einer Frau namens Ana, die uns durch einen lebendigen, atmenden Kakaowald führte.
Dies war keine gewöhnliche Farm. Die Hacienda La Luz , geführt von Ana Parizot-Wolter, einer Kakaobäuerin und Schokoladenherstellerin in dritter Generation, ist ein üppiges, geschichtsträchtiges Anwesen, das sich wie ein Refugium anfühlt. Hier verschwimmt die Grenze zwischen Plantage und Dschungel, und Kakao wird mit einer Sorgfalt angebaut, die aus tiefem Respekt vor dem Land erwächst. „Eine Kakaoplantage zu erhalten bedeutet, einen Dschungel zu bewahren“, erklärte uns Ana. Und sie meinte es ernst.
Hier, im Schatten alternder Kakaobäume und umgeben von einer vor Leben pulsierenden Artenvielfalt, starteten wir unser allererstes Nachhaltigkeits-Mikroprojekt – eine kleine, aber wirkungsvolle Möglichkeit, die Bauern zu unterstützen, deren Werte unsere eigenen widerspiegeln.
Aber was genau ist ein Mikroprojekt?
Für uns ist es eine praxisnahe Zusammenarbeit mit denjenigen, die Kakao am besten kennen. Es ist ein Weg, Kleinbauern zu unterstützen, die vor enormen Herausforderungen stehen: alternde Bäume, unbeständiges Wetter, begrenzte Ressourcen und oft mangelnder Zugang zu technischer Unterstützung. Diese von Bauern selbst getragenen Partnerschaften zielen darauf ab, gemeinsam praktische, regenerative Lösungen zu entwickeln – die Widerstandsfähigkeit wiederherzustellen, die Produktivität zu steigern und Ökosysteme zu schützen.
Anas Vision für die Hacienda La Luz machte die Mission unseres ersten Mikroprojekts deutlich: einen geliebten, aber vernachlässigten Teil ihrer Plantage wiederzubeleben und das Ökosystem zu stärken, das sie ihr Leben lang geschützt hat. Denn Nachhaltigkeit beginnt nicht in Vorstandsetagen. Sie beginnt im Boden, in den Geschichten und in Beziehungen wie dieser.

Was ist ihr Kampf?
Trotz ihrer reichen Artenvielfalt steht die Hacienda La Luz unter Druck. Tabasco hat bereits 98 % seines ursprünglichen Dschungels durch Abholzung, Viehzucht und Stadterweiterung verloren. Ana ist fest entschlossen, dass ihre Farm nicht das nächste Opfer wird. Doch die Erhaltung einer dschungelartigen Kakaoplantage birgt ihre eigenen Herausforderungen.
- Alternde Bäume, geschwächtes Ökosystem
Ein Großteil der Plantage ist in die Jahre gekommen. Die verbliebenen Bäume waren alt und weniger produktiv und lieferten während der Erntezeit fast keine brauchbaren Kakaobohnen.
- Gefährdete Biodiversität
Der „gezähmte Dschungel“ beherbergt einheimische Wildtiere wie Leguane und Tukane. Viele der ursprünglichen Schattenbäume des Bauernhofs hatten jedoch das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Durch die spärliche Nachpflanzung ist das Blätterdach dünner geworden, bietet den Tieren weniger Schutz und speichert weniger Feuchtigkeit im Boden.
Eine geringere Baumdichte bedeutete auch weniger Schatten – was sowohl für die Kakaobäume als auch für die sie bestäubenden Forcipomyia-Mücken schlecht war. Weniger Mücken bedeuten weniger Bestäubung und somit weniger Kakao.
- Klimabelastungen
Im Sommer 2023 erlebte der Südosten Mexikos eine der schlimmsten Dürren seit Beginn der Aufzeichnungen. Unregelmäßige Regenfälle und Hitzestress machten die Landwirtschaft unsicher. „Früher kam der Regen im Mai. Jetzt wissen wir nie, wann er kommt“, sagt Ana. Diese Unberechenbarkeit beeinträchtigt die Pflanzzeiten, die Gesundheit der Bäume und die Ernteerträge.
Wie unterstützen wir Ana?
Wir von The Cocoa Circle sind überzeugt, dass die Förderung eines nachhaltigen, regenerativen Kakaoanbaus konkrete Maßnahmen vor Ort erfordert. Deshalb haben wir uns mit Ana zusammengetan, um ein Plantagenrenovierungsprojekt zu starten, das sich auf die Wiederherstellung zweier wichtiger Hektar der Hacienda La Luz konzentriert.
Wir begannen mit dem Beschneiden (Entfernen abgestorbener Baumteile) und der Analyse der Farm. Schnell wurde deutlich, dass die Baumdichte weit unter dem optimalen Wert lag. Wo 1.100 Kakaobäume pro Hektar stehen sollten, wuchsen in manchen Bereichen weniger als 600. Wir beobachteten außerdem einen Anstieg von Schädlingen wie Eichhörnchen und Krankheiten wie der Schwarzfäule. Auf Grundlage dieser Daten entwickelten wir einen Plan mit zwei Zielen: die Gesundheit und Produktivität der bestehenden Bäume zu verbessern und 500 neue Bäume zu pflanzen, um den Boden aufzufüllen und zu revitalisieren.

Wie geht es Ihnen?

Bislang sind die Auswirkungen deutlich sichtbar. Ana beschreibt eine Welle der Veränderung, die seit Beginn des Mikroprojekts stattgefunden hat. Die Revitalisierung der Bäume durch Beschneiden, biologische Düngemittel und Bio-Dünger verbesserte nicht nur ihren Gesundheitszustand, sondern schien auch die Energie des Bodens selbst zu verändern. Schädlinge zogen sich zurück, und Tiere kehrten zurück: Affen, Leguane, sogar Schlangen, die jahrelang nicht gesehen worden waren. Vögel siedelten sich im Blätterdach an. Der Boden begann sich zu erholen, und mit ihm der Kakao. Zum ersten Mal seit Langem konnten sie auf diesen zwei Hektar ernten – etwas, das an anderen Stellen der Plantage nicht möglich war.
Im Kern geht es bei diesem Mikroprojekt nicht nur um den Anbau von Kakao, sondern um Investitionen in langfristige ökologische Widerstandsfähigkeit. Zu sehen, wie das Land reagiert, ist ein gutes Gefühl und erinnert uns daran, warum bewusstes Landbauen im Mittelpunkt unserer Arbeit steht.
→ Sehen Sie sich an, wie Ana auf @haciendalaluz erzählt, wie dieses Mikroprojekt Fuß fasste – und welche Transformation es auslöste.